quinta-feira, 8 de setembro de 2016



                                         Die Macht des Wählers

Brasilien demonstriert derzeit, dass das Land eine wirkliche Demokratie ist. Der Kongress hat in einem ziemlich langwierigen Prozess die Präsidentin des Amtes enthoben. Dabei haben die Abgeordneten aber auch ihre menschliche Seite gezeigt und die Verfassung etwas weitläufig ausgelegt, um die scheidende Präsidentin nicht völlig aus der Politik zu verbannen.

Kaum ist jedoch der bisherige Vizepräsident als neuer Regierungschef in seinem Amt bestätigt, wird von den Anhängern der bisherigen Links-Regierung kräftig demonstriert. Das ist ihr gutes Recht, genauso wie die Bewegung “Fora Dilma” in der ersten Hälfte des Jahres die Straßen bewegte, scheint es nun die Demonstration “Fora Temer” zu werden.

Wer immer auch für oder gegen die Regierung, den Kongress oder die Politiker ist, hat aber die große Chance bei den kommenden Wahlen im Oktober seine Stimme der Partei und dem Kandidaten zu geben von dem er meint, dass er seine politische Überzeugung am besten vertritt. Danach sollte er die kommenden zwei Jahre genau verfolgen ob diese ihr Versprechen einhalten, ehe er 2018 wieder wählen darf und dann die Vertreter die ihn enttäuscht haben entsprechend abstrafen kann.

Man sollte nicht vergessen, dass in einer wirklichen Demokratie die Macht vom Volk ausgeht und dieses die Verantwortung hat die richtigen Vertreter zu wählen, damit das Land gut regiert werden kann. Insofern hat der Wähler eine enorme Verantwortung, der er sich bewusst sein und sie auch wahrnehmen sollte.


quinta-feira, 25 de agosto de 2016



                               Nachlese zu den Olympischen Spielen


Die Olympischen Spiele sind vorüber, aber sie haben bei mir und auch bei vielen Anderen einen so starken Eindruck hinterlassen, dass ich das Thema nochmals kommentieren möchte. Die letzten 4 Tage war ich selbst dort und habe täglich erlebt, was die Spiele für Rio de Janeiro bedeuten. Die Stadt vibrierte, Millionen Besucher waren glücklich und es kam zu keinen wesentlichen Ausschreitungen. Ja man muss sogar zugeben, dass sowohl der Transport zu den Sportstätten als auch innerhalb der Stadt erstaunlich gut funktioniert hat: Neue Busse, komfortable Haltestationen, freundliche Helfer und pünktliche Veranstaltungen, das hat Rio kaum jemand zugetraut. Dazu das Olympiazentrum an der Barra mit seinen 10 Arenen, architektonisch sehr gelungen. Man fragt sich nur, wer dies in Zukunft benützen soll und wer für den Unterhalt aufkommen wird?
Im Leichtathletikstadion selbst, sorgte der jamaikanische Sprinter Usain Bolt für eine spezielle show, wann immer er auftrat flog ihm der Jubel und die Begeisterung zu, was er auch zurückgab. Ich bin mir nicht sicher, ob seine großartige sportliche Leistung oder sein Show-Talent erfolgreicher waren. Man kann ihn schon heute in die Reihe der großen sportlichen Ikonen der letzten 60 Jahre einreihen: Pele, Muhammed Ali, Airton Senna und nun eben Bolt. Sein Charisma wird sicher Jahrzehnte überstrahlen und dem Laufsport gut tun.
Um so verwunderlicher ist es, wenn man besonders in der deutschen Presse hauptsächlich negative Kommentare über die Spiele in Rio de Janeiro liest. Es hätte nichts geklappt, die Athleten seien unsicher gewesen das olympische Dorf zu verlassen, das Essen habe nicht geschmeckt und in den Wohnbereichen hätte es Mängel gegeben. Die Sportsprecherin der deutschen Delegation sprach gar von der schlechtesten Olympiade die sie erlebt habe. Aber das muss wohl an ihrer eigenen Leistung gelegen haben. Ob einer solch einseitigen Berichterstattung, muss man sich fragen, ob einige Deutsche Journalisten nicht gar Probleme mit sich selbst haben oder aber eine besondere Freude daran alles negativ zu sehen.
Rio 2016 hat herrliche Spiele durchgeführt daran gibt es keinen Zweifel, selbst die Schlussfeier wurde von einem deutschen Journalisten als mäßig abgetan. Gut über Geschmack kann man streiten, aber ich sehe zehnmal lieber die Rendeiras mit der Musik von Luiz Gonzaga und eine Samba-Show als Mario Brothers aus Japan.
Bei der Heimreise kam mir der Gedanke, dass Rio de Janeiro eigentlich ein Spiegelbild der Welt ist. 80 Prozent der Menschen  leben in einfachen oder noch weniger einfachen Verhältnissen, eine Minderheit bewohnt sowohl in Rio de Janeiro als auch auf dem Globus, die schönen und wohlhabenden Orte. Rio de Janeiro ist die Realität der Welt im Kleinen.

quarta-feira, 27 de julho de 2016

Lasst die Olympischen Spiele beginnen




Das war der Aufruf des Baron de Coubertin als er 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen eröffnete. Das soll auch der Aufruf des amtierenden brasilianischen Präsidenten sein, wenn er am 5. August die XXXI. Sommerspiele in Rio de Janeiro eröffnen wird. Allerdings ist man inzwischen vorsichtig geworden von Spielen zu reden, denn gespielt wird angesichts der Wichtigkeit des Sports immer weniger, es geht auch nicht mehr nur um Ehre, sondern viel mehr um Geld, um viel Geld. Ein Olympiasieg kann Millionen bedeuten und ein gesichertes Leben, bis ans Ende. Ein Olympiasieg kann auch Glamour und Einzug in die weltweite High-Society bedeuten. Dafür tun die Athleten eigentlich alles Erlaubte und leider auch immer öfters Unerlaubtes.  Weshalb die Anti-Doping Agentur Wada zu einer immer wichtigeren Institution der Spiele und den Sports im allgemeinen wurde.
Ein Wermutstropfen fällt auf  RIO 2016, ähnlich wie 1980 in Moskau, als die USA und verschiedene europäische Nationen wegen des Einmarsches der UdSSR in Afghanistan nicht teilnahmen. Als Retourkutsche zeigte sich die Sowjetunion beleidigt und boykottierte die nächste Veranstaltung in Los Angeles. Dieses mal hat es bereits im Vorfeld Streitereien um die russische Teilnahme gegeben. Eine russische Läuferin, die selbst schon wegen Doping gesperrt war, gab internas des staatlichen russischen Dopingsystems bekannt, worauf viele internationale Sportverbände die Athleten dieses Landes aussperrten. So wird es in der Leichtathletik, beim Schwimmen, Rudern, Segeln und Modernen Fünfkampf keine Teilnehmer aus dem größten Land der Erde geben. Die russische “whistleblowerin” wurde eigenartigerweise vom Dachverband IOC auch nicht zugelassen, nach dem Motto:” Man akzeptiert zwar den Verrat, aber nicht die Verräterin”.
Doch es lasten noch zwei weitere Unsicherheitsfaktoren auf den Spielen in Rio de Janeiro, der eine ist typisch brasilianisch; Termine einhalten ist nicht die Stärke, weder der Planer, noch der Erbauer, noch der Arbeiter. Seit einigen Tagen zogen einige Delegationen in das olympische Dorf ein und schnell wieder aus, denn es tropfte, Kabel hingen frei im Raum, die Wasserspülung funktionierte nicht. Ein Brasilianer ist dies gewöhnt, wenn er ein neues Apartment bezieht, andere Nationen weniger. Die Nachricht ging schnell um die Erde, “ die Brasilianer können es nicht”. Doch bis zur Eröffnung könnte dies ja behoben sein.
Ein viel schlimmerer Unsicherheitsfaktor ist die Sicherheit selbst. Das hat mit Rio de Janeiro wenig zu tun, obwohl die Kriminalität auch an jeder Ecke lauert, aber die große Angst  geht von dem internationalen Terrorismus aus, der derzeit die halbe Welt heimsucht. Rio de Janeiro wird bewacht werden wie ein Land im Ausnahmezustand. Man kann nur hoffen, dass es den Einsatzkräften gelingt Anschläge zu verhindern, damit Rio nicht mit dem Makel von München 1972 und Atlanta 1996 leben muss.